
Über 125.000 Handwerksbetriebe in Deutschland suchen in den nächsten fünf Jahren einen Nachfolger. Viele davon werden schließen – nicht weil sie unprofitabel sind, sondern weil die Übergabe nicht rechtzeitig geplant wurde. Hier erfahren Sie, wie Sie es besser machen.
1. Wann sollten Sie mit der Planung beginnen?
Die kurze Antwort: 5–10 Jahre vor dem gewünschten Ausstieg.
Die häufigsten Gründe, warum Übergaben scheitern:
- Zu spät begonnen – der Betrieb wurde „runtergeritten"
- Kein geeigneter Nachfolger gefunden
- Steuerliche Nachteile durch mangelnde Planung
- Unklare Unternehmensbewertung
2. Optionen für die Nachfolge
Sie haben grundsätzlich drei Wege:
a) Familieninterne Nachfolge
Der Klassiker – aber längst nicht selbstverständlich:
- Sprechen Sie frühzeitig mit Ihren Kindern über deren Pläne
- Zwingen Sie niemanden ins Geschäft
- Planen Sie eine Einarbeitungsphase von 2–3 Jahren
- Steuerlich oft begünstigt (Freibeträge bei Erbschaft/Schenkung)
b) Verkauf an einen Mitarbeiter
Oft die beste Lösung – der Nachfolger kennt den Betrieb bereits:
- Identifizieren Sie potenzielle Kandidaten frühzeitig
- Bieten Sie schrittweise mehr Verantwortung an
- Finanzierung über Ratenzahlung oder Earn-Out möglich
c) Verkauf an Externe
Über Nachfolgebörsen und Vermittler:
- nexxt-change.org: Die offizielle Unternehmensbörse der IHK und HWK
- Handwerkskammer: Bietet Nachfolgervermittlung an
- Unternehmensberater: Spezialisierte Berater für Handwerksübergaben
Praxis-Tipp: Kontaktieren Sie Ihre Handwerkskammer mindestens 3 Jahre vor der geplanten Übergabe. Die meisten HWKs bieten kostenlose Nachfolgeberatung an.
3. Was ist Ihr Betrieb wert?
Die Bewertung eines Handwerksbetriebs unterscheidet sich von großen Unternehmen:
- Ertragswertmethode: Der häufigste Ansatz – basiert auf dem nachhaltigen Gewinn der letzten 3–5 Jahre
- Substanzwertmethode: Wert von Fahrzeugen, Werkzeugen, Maschinen, Material
- Kundenstamm: Ein treuer Stammkundenstamm hat einen echten Wert
- Faustregel: Kleine Handwerksbetriebe werden typisch mit dem 3–5-fachen Jahresgewinn bewertet
4. Den Betrieb übergabefähig machen
Ein attraktiver Betrieb für Nachfolger hat:
- Dokumentierte Prozesse: Nicht alles im Kopf des Chefs
- Saubere Buchhaltung: Transparente Zahlen der letzten Jahre
- Gepflegte Kundenbeziehungen: Nicht nur an eine Person gebunden
- Modernes Equipment: Keine größeren Investitionen direkt nötig
- Motiviertes Team: Mitarbeiter, die bleiben wollen
5. Steuerliche Aspekte
Lassen Sie sich unbedingt von einem Steuerberater beraten. Wichtige Punkte:
- Freibeträge bei Betriebsvermögen nutzen (§ 13a ErbStG)
- Zeitpunkt der Übergabe optimieren
- Schrittweise Übergabe vs. kompletter Verkauf
- Altersvorsorge-Freibetrag bei Betriebsveräußerung (§ 16 EStG)
6. Die Übergangsphase gestalten
Der wichtigste Erfolgsfaktor: Eine saubere Übergangsphase.
- 6–12 Monate gemeinsam arbeiten
- Kunden persönlich vorstellen
- Wissen strukturiert übergeben
- Loslassen lernen – schwer, aber notwendig
Fazit
Die Nachfolgeplanung ist eines der wichtigsten Projekte Ihres Unternehmerlebens. Beginnen Sie früh, holen Sie sich professionelle Hilfe und bereiten Sie Ihren Betrieb systematisch vor. So sichern Sie nicht nur Ihr Lebenswerk, sondern auch Arbeitsplätze und Kundenbeziehungen – und gehen mit einem guten Gefühl in den verdienten Ruhestand.
