
80% aller Handwerker kalkulieren ihren Stundensatz zu niedrig. Das ist kein Vorwurf – es ist eine Tatsache, die ich in 25 Jahren immer wieder gesehen habe. Und es ist die häufigste Ursache, warum Betriebe trotz voller Auftragsbücher pleite gehen.
Die „Stammtisch-Kalkulation" – der größte Fehler
Kennen Sie das? Man fragt Kollegen: „Was nimmst du die Stunde?" und orientiert sich dann daran. Das Problem: Die meisten Kollegen kalkulieren genauso falsch. So entsteht ein Teufelskreis aus zu niedrigen Preisen.
Faustregel: Wenn Sie weniger als 55€/Stunde (netto) nehmen, arbeiten Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit unter Wert.
Die richtige Stundensatz-Berechnung
Ihr Stundensatz muss folgende Kosten decken:
1. Persönliche Kosten (pro Jahr)
- Gewünschtes Nettogehalt: z.B. 3.500€/Monat = 42.000€
- Einkommensteuer + Sozialabgaben: ca. 40% = 16.800€
- Krankenversicherung: ca. 6.000€
- Altersvorsorge: ca. 3.600€
- Summe: 68.400€
2. Betriebskosten (pro Jahr)
- Fahrzeug (Leasing, Versicherung, Sprit): ca. 8.400€
- Werkzeug und Verschleiß: ca. 3.000€
- Versicherungen: ca. 2.400€
- Telefon, Internet, Software: ca. 1.800€
- Steuerberater: ca. 2.400€
- Sonstiges (Fortbildung, Kammer): ca. 2.000€
- Summe: 20.000€
3. Verfügbare Arbeitsstunden
- 365 Tage - 104 (Wochenenden) - 30 (Urlaub) - 10 (Feiertage) - 15 (Krankheit) = 206 Arbeitstage
- Davon nur 70% produktiv (Rest: Fahrt, Verwaltung, Akquise) = 144 produktive Tage × 8h = 1.152 Stunden
4. Ergebnis
(68.400€ + 20.000€) ÷ 1.152 Stunden = 76,74€/Stunde (netto)
Plus Gewinnaufschlag (10–15%): ca. 85–88€/Stunde
Material separat kalkulieren
Schlagen Sie auf Materialkosten immer 15–25% Handling-Aufschlag drauf. Sie bezahlen die Bestellung, Lagerung, den Transport und tragen das Risiko.
Fazit
Ein korrekt kalkulierter Stundensatz ist die Grundlage Ihres Erfolgs. Trauen Sie sich, faire Preise zu verlangen – Ihre Qualitätsarbeit ist es wert!
