
Die Entscheidung ist gefallen: Sie wollen sich als Handwerker selbstständig machen. Herzlichen Glückwunsch! Mit über 25 Jahren Erfahrung im Handwerk weiß ich, dass dieser Schritt einer der besten Ihres Lebens sein kann – wenn Sie ihn richtig angehen.
1. Voraussetzungen prüfen
Bevor Sie loslegen, klären Sie diese grundlegenden Fragen:
- Meisterpflicht: Prüfen Sie, ob Ihr Gewerk zulassungspflichtig ist (Anlage A der Handwerksordnung). Maler, Dachdecker, Elektro – hier brauchen Sie den Meisterbrief oder eine Ausübungsberechtigung.
- Berufserfahrung: Mindestens 4–6 Jahre Gesellenzeit sind empfehlenswert, bevor Sie den Sprung wagen.
- Finanzpolster: Rechnen Sie mit 3–6 Monaten Betriebskosten als Reserve.
2. Gewerbeanmeldung Schritt für Schritt
Die Gewerbeanmeldung beim zuständigen Gewerbeamt ist Ihr erster offizieller Schritt. Sie benötigen:
- Personalausweis oder Reisepass
- Meisterbrief oder Ausübungsberechtigung
- Ggf. Aufenthaltsgenehmigung mit Arbeitserlaubnis
- Gewerbeanmeldungsformular (auch online möglich)
Die Kosten liegen zwischen 20–60€ je nach Gemeinde.
3. Handwerkskammer-Eintragung
Nach der Gewerbeanmeldung werden Sie automatisch in die Handwerksrolle eingetragen. Die Handwerkskammer wird sich bei Ihnen melden. Nutzen Sie die kostenlose Gründungsberatung der HWK – sie ist Gold wert!
Praxis-Tipp: Besuchen Sie mindestens 2–3 Gründerseminare der HWK, bevor Sie starten. Dort treffen Sie auch potenzielle Netzwerkpartner.
4. Rechtsform wählen
Für den Start empfehle ich fast immer das Einzelunternehmen. Es ist unkompliziert, kostengünstig und für die meisten Handwerker die beste Wahl. Eine GmbH lohnt sich erst ab einem Jahresumsatz von ca. 200.000€.
5. Versicherungen abschließen
Diese drei Versicherungen sind Pflicht:
- Betriebshaftpflicht: Schützt Sie bei Schäden am Kundeneigentum (ab ca. 300€/Jahr)
- Berufsunfähigkeitsversicherung: Ihre wichtigste persönliche Absicherung
- Krankenversicherung: Gesetzlich oder privat – kalkulieren Sie die Kosten ein
6. Die ersten Aufträge akquirieren
Ihre ersten Kunden kommen aus Ihrem bestehenden Netzwerk. Informieren Sie aktiv:
- Ehemalige Kollegen und Arbeitgeber
- Familie, Freunde und Bekannte
- Lokale Facebook-Gruppen und Nachbarschaftsnetzwerke
Fazit
Die Gründung eines Handwerksbetriebs ist kein Hexenwerk – aber sie erfordert gute Vorbereitung. Mit dem richtigen Plan und einer soliden Kalkulation steht Ihrem Erfolg nichts im Weg.

